Mein großes Polster-Tutorial Teil 2 – Ein Stuhl mit Federkorb

Nachdem ich im ersten Teil meiner Polster-Serie einen einfachen Hocker neu gepolstert habe, geht es nun weiter mit einem Stuhl, der einen Federkorb hat. Das ausführliche Anleitungsvideo findet Ihr wieder am Ende des Artikels.

Selber Polstern Tutorial 13Beim Hocker war die Basis für das Polster eine ganz einfache Spanplatte, die oben auf das Gestell montiert war. Das ist zum einen eher unbequem, weil die Holzplatte unter dem Schaumstoff nicht nachgeben kann. Zum anderen ist diese Art des Polsters aber auch optisch nicht die schönste Lösung. Denn dadurch, dass das gesamte Polster oben aufliegt, sieht man immer – egal wie viel oder wenig Material Ihr beim Polstern verwendet habt – eine Lücke zwischen Gestell und Polster.

Bequemer und optisch eleganter ist das bei meinem nächsten Polsterobjekt gelöst. Hier ist das Polster in den Rahmen des Stuhls eingelegt, so dass die Ränder vollständig darin verschwinden. Die Basis für das Polster bildet zudem ein Federkorb und somit hat dieser Stuhl einen hohen Sitzkomfort. Selber Polstern Tutorial 15Ihr werdet sehen, dass auch dieses Polsterprojekt kein Hexenwerk ist, das auch Ihr hinbekommt. Selbst dann, wenn Ihr noch nie zuvor etwas gepolstert habt! 🙂

Die verwendeten Materialien habe ich von www.polstereibedarf-online.de kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen. Habt Ihr Fragen zu den einzelnen Produkten, dann schreibt mir gerne unten in die Kommentare.

 

1. Polster entkernen

Stoff runter

Wie immer steht im ersten Schritt die Entkernung des alten Polsters auf dem Plan. Dafür muss zunächst das komplette Polster aus dem Stuhl entfernt werden. Das ist manchmal verschraubt, aber oft auch nur einlegt und das war auch bei meinem Stuhl der Fall. Kurz von unten dagegen gedrückt und schon konnte ich das komplette Polster herausnehmen.

Dann machte ich mich daran, den Bezugstoff zu entfernen. Ausgestattet mit meinem Nagelheber löste ich dafür rundum die Tackerklammern und dann konnte ich den Stoff abnehmen. Leider war ich aber dann noch nicht fertig. Denn unter dem Stoff lag ein weiterer, deutlich älterer Stoff. Zwischenzeitlich war also schon einmal jemand der Meinung, dass der Stuhl eine neue Optik braucht und hat den neuen Stoff einfach über den alten gezogen.

Das hätte ich jetzt natürlich auch machen können und das hätte mir einiges an Arbeit gespart. Ich wollte Euch aber zeigen, wie Ihr ein Federkorb-Polster erneuert, also musste alles an Material runter. Glücklicherweise waren das Band, das den Abschluss des Stoffes bildete, und der Stoff selbst schon sehr porös, so dass ich das Material einfach abreißen konnte. Denn die Nägel, die beides fixiert hatten, waren sehr tief in das harte Buchenholz eingeschlagen. Diese alle komplett zu entfernen hätte eine Menge Zeit und Kraft gekostet. Das habe ich mir am Ende gespart, indem ich die Nägel einfach da ließ, wo sie waren. Denn später würden die mich sowieso nicht stören.

 

Das Polsterinnere entfernen

Unter dem Stoff lag eine Schicht Polsterwatte, eine weiche Schicht, die sich aus verschiedenen alten Textilfasern zusammensetzt. Unter dieser Polsterwatte befand sich dann noch sogenanntes Afrik, ein ganz klassisches Material zum Polstern. Dabei handelt es sich um Palmfasern, die durch eine spezielle Verarbeitung immer wieder in ihre Ursprungsform zurückspringen.
Die Schicht Afrik war punktuell mit einer Kordel an das restliche Polster geknüpft, so dass ich vor dem Entfernen zunächst die einzelnen Fäden durchschneiden musste.

Unter dem Afrik kam dann die letzte Schicht, das sogenannte Federleinen zum Vorschein. Im Grunde handelt es sich dabei um ganz normales, sehr robustes Juteleinen und es ist immer direkt über den Federn der Polsterung angebracht. Denn die Federn sind sehr hart und bei Gebrauch des Stuhls ständig in Bewegung. Das robuste Leinen schützt das Innere des Polsters, das mit der Zeit von den Federn sonst völlig zerfetzt werden würde.Auch bei meinem Polster konnte man sehen, dass der Jutestoff teilweise schon Löcher hatte, genau an den Stellen, wo die Ränder der Federn auflagen. Dieses Material musste also ebenfalls erneuert werden. Auch diese Schicht war mit Nägeln fixiert worden und ein weiteres Mal schenke ich es mir, die wirklich alle einzeln herauszuholen. Vielmehr riss ich das alte Federleinen ab und schon hatte ich den Federkorb freigelegt.

Der Federkorb

Mein Stuhl hatte einen industriell hergestellten Federkorb, der in den Rahmen aus Buche eingenagelt war. Diese Federkörbe haben den Vorteil, dass sie durch das Metallstreben-Untergestell total stabil und quasi unverwüstlich sind. Aus diesem Grund solltet Ihr einen solchen Federkorb immer behalten, egal wie alt er ist. Solange dort alles noch stabil aussieht und keine Teile fehlen, ist er immer wieder verwendbar.

Neben solchen industriell hergestellten Federkörben gibt es jedoch auch Polstermöbel, die mit einzelnen Federn gepolstert worden sind. Dabei werden die Federn einzeln in den Rahmen eingesetzt und mit einer speziellen Schnürtechnik auf die richtige Höhe gebracht. Dabei werden die Federn miteinander verbunden und austariert. Um das wirklich gut hinzukriegen, braucht man jedoch fundiertes Polsterer-Wissen und eine Menge Erfahrung. Deshalb würde ich Euch nicht empfehlen, eine solche Federung selbst zu erneuern, wenn Ihr Euch damit nicht auskennt. Wenn Ihr ein so gepolstertes Objekt habt, dann solltet Ihr auch hier möglichst die alte Federung beibehalten. Wenn diese aber nicht mehr zu gebrauchen ist, dann würde ich Euch empfehlen, einfach einen fertigen Federkorb zu kaufen. Denn den kann man wiederum relativ einfach selbst in einen Rahmen einbauen. Wie das genau geht – soviel kann ich schon einmal verraten – könnt Ihr in meinem nächsten Polster-Artikel, also in Teil 3 meiner Polster-Tutorial-Reihe sehen.

Nun war ich also mit dem Entkernen also fertig und es konnte an den Aufbau des neuen Polsters gehen.

2. Polster neu aufbauen

Federleinen

Beim Aufbau des Polsters geht Ihr am besten immer rückwärts genauso vor, wie Ihr die alten Materialien abgenommen habt. Im ersten Schritt musste also Federleinen über den Federkorb gespannt werden. Das geht recht einfach, da Ihr Euch wirklich nicht allzu viel Mühe geben müsst, dass der Stoff wirklich perfekt aufliegt. Zieht in einfach etwas über die Federn stramm und tackert ihn dann am Rahmen fest. Am Ende schneidet Ihr dann nur noch das überschüssige Material am Rand ab und dann kann es schon weitergehen.

Polsterwatte

Auf das Federleinen folgt eine neue Schicht Polsterwatte. Die könnt Ihr Euch auch erst grob zuschneiden, rundherum mit dem Tacker fixieren und am Ende wieder alles abschneiden, was noch über den Rahmen hinausragt.

Schaumstoff

Als nächstes geht es dann mit 1cm dickem Schaumstoff weiter. Denn zwar macht die Polsterwatte die Sitzfläche schon recht weich, aber so richtig gemütlich war sie jetzt noch nicht. Allzu viel Schaumstoff wollte ich jedoch auch nicht verwenden, damit das Polster am Ende nicht zu dick wird. Deshalb sollte mir ein Zentimeter reichen.
Ich legte mir meinen Rahmen einfach auf die Schaumstoffplatte und schnitt sie dann mit Hilfe eines Cutter-Messers auf die richtige Größe zu.

Da ich die Schaumstoffplatte nicht festtackern würde, habe ich sie mir anschließend mit Kleber auf der Polsterwatte fixiert. Am besten eignet sich ein Sprühkleber, der für Polstermaterialien vorgesehen ist. Den sprüht man einfach kurz auf die beiden Flächen, die später zusammengeklebt werden sollen und lässt ihn dann ein paar Minuten antrocknen. Anschließend können die Teile zusammengefügt werden.

Polstervlies

Nachdem nun also der Schaumstoff auf meinem Polster fixiert war, konnte er mit Polstervlies abgedeckt werden. Dieses Material habe ich auch schon bei meinem ersten Polsterobjekt, dem einfachen Hocker verwendet und das werde ich auch für alle meine folgenden Polsterprojekte verwenden. Denn das Polstervlies formt das Schaumstoffpolster zum einen am Ende schön aus. Zum anderen ist es aber auch wichtig, um den Schaumstoff vor der Reibung des Stoffes zu schützen.

Das Polstervlies war nun das erste Material, dass nicht nur auf der Oberseite des Rahmens befestigt wurde, sondern das komplett auch um den Rand des Rahmens herumgezogen wurde. Indem ich das Vlies stramm um die Ecke zog und dann auf der Unterseite des Rahmens festtackerte, fixierte ich noch einmal alle darunter liegenden Schichten und formte das Polster schön aus. Dabei achtete ich darauf, dass ich am Rand so fest an dem Vlies zog, dass es sich ganz flach anlegte. Denn ich hatte ein wenig die Befürchtung, dass es sonst etwas spack im Rahmen sitzen würde.
Nach vielen Tackerklammern, die ich ganz eng um die gesamte Fläche herum gesetzt hatte, waren die Ränder nicht mehr wellig und das Polster schön gleichmäßig. An dieser Stelle möchte ich Euch noch einmal den dringenden Rat geben, Euch einen elektrischen Tacker zuzulegen, wenn Ihr auch so ein Polsterprpjekt geplant habt. Denn insgesamt werden beim Polstern immer unglaublich viel Tackerklammern verwendet und die mit der Hand einzutreiben, macht wirklich keinen Spaß! Welchen Tacker Ihr am besten nehmt? Meiner ist von Bosch (Amazon Bosch Tacker) und ich bin sehr zufrieden!

Nun wurde es Zeit für den Bezugstoff.

Bezugstoff

Wie schon bei meinem Hocker im vorhergehenden Artikel ausführlich beschrieben, ist es wichtig, dass Ihr den Stoff richtig ausrichtet, bevor Ihr ihn fixiert. Für meinen Stuhl hatte ich mir einen hübschen uni-farbenen Stoff in einem hellen Blau ausgesucht. Diesen legte ich mir zuerst oben auf das Polster, richtete ihn so aus, dass der Fadenlauf parallel zu den Kanten verlief und steckte ihn mir dann mit Polsternadeln fest. Dann konnte ich das Ganze umdrehen und von unten festtackern.

Worauf müsst Ihr beim Tackern achten? Zieht den Stoff fest um die Kanten, aber nicht so stramm, dass sich der Stoff verzieht. Fixiert zuerst die Seiten und setzt dabei für jede Klammer sofort eine Klammer auf der gegenüberliegenden Seite. So verhindert Ihr, dass sich der Stoff diagonal verschiebt. Lasst zu den Ecken hin genug Stoff lose, um die Ecke mit möglichst viel Spielraum flach hinlegen zu können. Denkt beim Falten der Ecken ans Geschenke-Einpacken: Versucht den Stoff so einzuschlagen, dass er nur eine einzige Falte bildet und der Rest des Stoffes an den Seiten flach anliegt. Und am Ende solltet Ihr noch einmal mit dem Tacker komplett um den Rahmen herum arbeiten. Dabei zieht Ihr den noch nicht ganz so stramm sitzenden Stoff zwischen den bereits gesetzten Klammern auch noch an und tackert ihn fest. Im besten Fall habt Ihr so am Ende keine einzige Welle am Rande des Polsters.

3. Stuhl aufarbeiten

Natürlich sollte auch das Holz des Stuhls eine neue Optik bekommen und somit war es nun Zeit, es zu überarbeiten. Da sich diese Anleitung hauptsächlich mit dem Polstern beschäftigt, erzähle ich Euch auch dieses Mal nur ganz kurz, wie ich das gemacht habe.

Zuerst habe ich das Gestell gründlich gereinigt, dann leicht angeschliffen, mit einem Isoliergrund grundiert und anschließend zuerst komplett mit weißer Kreidefarbe gestrichen und dann teilweise mit Kreidefarbe in einem Mint-Ton bemalt. Nach dem Trocknen der Farbe habe ich dann mit Schleifpapier einen leichten Shabby Effekt erzeugt und abschließend alles mit farblosem Möbelwachs versiegelt.Selber Polstern Tutorial 21

Dann musste das neue Sitzpolster nur noch eingelegt werden und fertig! Das Polster verschwindet im Rahmen, so dass noch nicht einmal mehr die Ecken zu sehen sind und es ist so gemütlich, dass man selbst viele Stunden darauf bequem sitzen kann. 🙂Selber Polstern Tutorial 23Selber Polstern Tutorial 24

Und hier geht es zum ausführlichen Video-Tutorial, in dem Ihr alle Schritte noch einmal ganz genau seht:

Ihr habt also gesehen, dass es gar nicht so schwer ist, ein solches Polster zu erneuern, wenn man den alten Federkorb behalten kann. In meinem nächsten Projekt steigt wieder ein wenig die Schwierigkeitsstufe, denn da geht es um einen Stuhl, der zusätzlich auch noch eine gepolsterte Rückenlehne hat.

Wenn Ihr Lust habt, dann geht es weiter mit Mein großes Polster-Tutorial Teil 3 – Ein Stuhl mit Rückenlehne.

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