Mein großes Polster-Tutorial Teil 4 – Ein aufwendiger Sessel


Selber Polstern Tutorial Teil 4 Vorher Nachher

Ihr seid angekommen in meinem vierten und letzten Teil meiner Polster-Reihe. Mit jedem Projekt ist der Schwierigkeitsgrad ein wenig gestiegen und somit geht es in diesem Artikel um das Schwerste meiner Projekte, einem Sessel.

Wie bei meinen vorherigen Polster-Anleitungen findet Ihr auch hier wieder ganz unten das ausführliche Anleitungsvideo. Wenn Ihr lieber zuschaut, als zu lesen, dann geht gerne direkt zum Video über. 🙂

Selber Polstern Tutorial 5Nach meinem einfachen Hocker, dem Stuhl mit Federkorb und dem Stuhl mit gepolsterter Rückenlehne, sollte es nun um einen Sessel gehen, der quasi von allen Seiten gepolstert ist. Die Sitzfläche, die Rückenlehne von vorne und von hinten und dazu auch noch die Armlehnen. So einen Sessel aufzubereiten war für mich auch das erste Mal und daher hatte ich etwas Respekt davor. Außerdem soll der Sessel zukünftig bei mir auf der überdachten Terrasse stehen und daher musste er zumindest ein wenig der Witterung standhalten können. Noch bevor ich mit dem Projekt begonnen hatte, hatte ich schon die Befürchtung, dass der besonders störrische Outdoor-Stoff nicht gerade leicht zu verarbeiten war…

1. Entkernen

Wie immer ging es mit dem Entkernen los. Ich fing mit der Vorderseite der Rückenlehne an, ging dann an die Rückseite, an die Sitzfläche und im letzten Schritt an die Armlehnen. Was allen Flächen gemeinsam war: Sie waren mit Zierleisten versehen, die aussehen sollen, als wäre der Abschluss mit vielen einzeln eingeschlagenen Nägeln gemacht worden. Bei diesen Zierleisten ist es jedoch so, dass nur jeder fünfte Nagelkopf ein echter Nagel ist, so dass sie sich einfach fixieren, aber auch einfach wieder entfernen lassen.Selber Polstern Tutorial 116

Mit meinem Nagelheber löste ich also die Zierleisten und dann direkt den mit Tackerklammern fixierten Bezugstoff. Unter dem Stoff, und das war wieder bei allen Flächen gleich, lag eine dünne Schicht Polstervlies und darunter Schaumstoff.Selber Polstern Tutorial 117

In der Rückenlehne war unter dem Schaumstoff großflächig ein netzartiges Kunststoffgeflecht angebracht. Davor und dahinter waren Polstergurte getackert, einige elastisch, andere sehr fest.Selber Polstern Tutorial 118Unter dem Schaumstoff der Sitzfläche war, und das war zu erwarten, wieder eine Schicht Federleinen angebracht.Selber Polstern Tutorial 119

Auf der Unterseite der Sitzfläche war außerdem noch ein dünner Stoff festgetackert, der das Polsterinnere von unten unsichtbar machte.Selber Polstern Tutorial 37 Alle diese Materialien nahm ich nun also runter vom Sessel-Gestell.

Stellt Euch auf viel Arbeit ein!

Was sich hier so schnell aufzählen lässt, war in Wirklichkeit eine unfassbar anstrengende und langwierige Aufgabe. Es waren unglaublich viele Tackerklammern zu lösen, die alle sehr tief eingeschlagen waren. Jede einzelne Schicht war rundherum mit eng sitzenden Klammern fixiert, teilweise zwei oder drei Stück direkt übereinander! Insgesamt brauchte ich dafür mehrere Stunden in mehrere Etappen. Denn die Muskeln in meinem Arm schmerzten, meine Hände hatte Schwielen und ich schwitze, also würde ich den härtesten Ausdauersport betreiben… 🙁

Warum erzähle ich Euch das? Ich möchte mich eigentlich gar nicht beschweren. Ich möchte Euch nur ein wenig davor waren, wie viel Arbeit Ihr Euch aufbürdet, wenn Ihr auch so ein Projekt umsetzen möchtet! Während meine anderen drei Projekten in einem, zwei oder maximal drei Tagen komplett fertig waren, habe ich hier schon für das Entkernen Tage gebraucht! Also, so ein Sessel ist da wirklich was anderes…

Behaltet Eure Wellenfederung

Die Basis für das Polster bildete bei diesem Sessel eine Wellenfederung. Dabei sind einzelne Wellen im Rahmen eingespannt und miteinander verschnürt. Eine solche Federung zählt zu den Bequemsten, sie ist aber auch nicht so einfach anzubringen. Neben dem Wissen, wie die Enden der Federn in die Halterungen eingesetzt werden, wie hoch genau die Spannung sein muss und worauf bei der Verschnürung zu achten ist, braucht man Spezialwerkzeug. Also wohl alles nichts, was ein Laie mal eben so aufweisen kann. Aber meine Federung war auch noch vollkommen in Ordnung und es gab wirklich keinen Grund, sie zu erneuern.Selber Polstern Tutorial 41 Denn hier gilt das gleiche, wie ich Euch schon bei meinem zweiten Polsterprojekt geraten habe: Solange die Federung noch gut aussieht, lasst sie unbedingt einfach drin! Die Federung ist meist der Teil am Sitzmöbel, der am längsten hält.

 

2. Holz aufbereiten

Schleifen

Nun war mein Sessel also nackig und nur noch die Wellenfederung als Basis war von dem Polster übrig geblieben. Das war nun der Zeitpunkt, an dem es an die Überarbeitung des Holzes ging. Der gesamte Sessel war aus Buchenholz gefertigt. Das wollte ich unbedingt sichtbar haben, aber nicht mit der dunklen Lackierung darauf. Also schnappte ich mir Schleifpapier und schliff den gesamten Lack ab, bis das rohe Holz komplett freigelegt war.Selber Polstern Tutorial 43

Ich sage Euch, auch das war kein Spaß! Bei einem Stuhl sieht die Fläche immer so klein aus, da erwartet man gar nicht unbedingt, dass man lange für die Bearbeitung braucht. Aber glaubt mir, ich habe schon den ein oder anderen Stuhl aufgehübscht und jeder einzelne war eine Menge Arbeit! Schließlich hat jedes Bein vier Seiten und es gibt viele Rundungen und Ecken… Für das Schleifen habe ich locker 4-5 Stunden gebraucht. Aber danach sah das Holz dann wunderschön hell und freundlich aus.Selber Polstern Tutorial 44

Ölen

Nun musste es noch geschützt werden. Wie schon erwähnt, sollte der Stuhl zukünftig draußen stehen und daher war es ratsam ein Produkt zu verwenden, das Holz optimal im Außenbereich schützt. Nach einer kleinen Suche bin ich fündig geworden. Wenn Ihr meine Projekte verfolgt, dann wisst Ihr, dass ich schon häufiger mit weiß pigmentiertem Arbeitsplatten-Öl von Osmo gearbeitet habe, um Eichenholz nicht anzufeuern, sondern aufzuhellen und leicht gekalkt erscheinen zu lassen (Amazon Osmo TopOil).

Nun wollte ich ein Produkt haben, das genauso war, nur eben zusätzlich für den Außenbereich geeignet. Und tatsächlich hat OSMO ein weiß pigmentiertes UV-Schutz-Öl, das genau den gleichen Effekt hat! Damit ölte ich das Holz meines Sessels nun und muss sagen, dass ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden bin.Selber Polstern Tutorial 46 Die Oberfläche hat einen ganz leichten weißen Schleier bekommen und in den Vertiefungen ist das Weiß noch intensiver.Selber Polstern Tutorial 47Was die Optik des Rahmens anging, war der Sessel also schonmal ein voller Erfolg… 🙂

 

3. Neu Polstern

Die Vorderseite der Rückenlehne

Jetzt ging es ans Eingemachte. Nach dem Trocknen des Holzöls konnte es mit der Vorderseite der Rückenlehne losgehen. Warum gerade damit? Weil ich mir vorher überlegt habe, wie die Reihenfolge sein muss, damit ich bei jedem Schritt noch an alles Notwendige rankomme. Die Sitzfläche war recht dick gepolstert und überragte die Rückenlehne ein Stück. Hätte ich die Sitzfläche zuerst gepolstert, dann wäre ich nicht mehr komplett an die Vorderseite der Rückenlehne rangekommen. Also musste ich diese zuerst in Angriff nehmen.

Im ersten Teil meiner Polster-Reihe gebe ich Euch direkt am Anfang den Tipp, Euer Sitzmöbel immer zuerst komplett zu entkernen und erst dann neues Polstermaterial zu kaufen. Denn erst dann wisst Ihr, was Ihr alles benötigt. Das habe ich bei diesem Projekt leider nicht gemacht. Denn für meine gesamte Polster-Serie hat mir www.polstereibedarf-online.de die Materialien kostenfrei zur Verfügung gestellt und ich habe alle Materialien auf einen Schlag bestellt. Noch bevor ich mit meinem ersten Projekt begonnen habe.

Und was hatte ich nun davon? Ich hatte diese Art Kunststoffnetz nicht, der im Rücken der Lehne verarbeitet worden war. Also musste ich so vorgehen, wie ich es vorher geplant hatte, als ich das Innere des Polsters noch nicht gesehen hatte.

Gurte anbringen

Für die haltgebende Konstruktion in der Rückenlehne hatte ich mir zwei verschiedene Polstergurte bestellt. Eins davon ist schwarz, ein wenig elastisch und extra für Rückenlehnen gedacht. Das andere ist beige, absolut nicht dehnbar und in erster Linie für Sitzflächen vorgesehen. Ich hatte mir vorher überlegt, beide Gurte in der Rückenlehne zu verwenden und als ich das alte Rückenpolster herausgenommen habe, wurde ich darin bestätigt. Denn auch hier waren im unteren Rückenbereich unelastische und im oberen Rückenbereich elastische Gurte angebracht. Genauso wollte ich nun auch vorgehen, mit dem Unterschied, dass ich insgesamt mehr Gurte brauchte, weil ich ja das Netzgewebe aus Kunststoff nicht hatte.

Im unteren Rückenbereich brachte ich zwei der unelastischen Gurte an. Dazu tackerte ich zunächst eine Seite fest. Normalerweise sollte man das Ende des Gurtes einschlagen, um das Ausfransen zu vermeiden. Das sparte ich mir jedoch, weil ich die Befürchtung hatte, dass das Material auf dem Rand des Rahmens später zu dick werden würde. Wenn eine Seite befestigt ist, dann zieht Ihr den Gurt so stramm, wie es geht und tackert ihn auf der gegenüberliegenden Seite fest. Selber Polstern TutorialHier möchte ich Euch dringend empfehlen, einen Gurtspanner zu verwenden. Denn mit so einem Werkzeug bekommt Ihr eine echte Spannung auf den Gurt, den Ihr mit manuellem Ziehen nie aufgebaut bekommen würdet!

Ihr braucht einen Gurtspanner!

Der Gurtspanner hat auf einer Seite sehr stabile und dicke Stacheln und auf der anderen Seite eine abgerundete Gummierung. Und so funktioniert er: Ihr stecht die Stacheln der einen Seite so tief es geht in den Gurt, am besten sogar durch den Gurt hindurch. Dann setzt Ihr die gummierte andere Seite auf die Kante Eures Rahmens und dann zieht Ihr den Gurt mit ein wenig Kraft über diese, bis der Gurt flach auf der Kante liegt. Selber Polstern Tutorial 121Anschließend könnt Ihr den Gurtspanner mit einer Hand festhalten und mit der anderen Hand bequem den Gurt auf den Rahmen tackern. Schaut dazu gerne noch einmal in meinem Video vorbei. Da wird die Vorgehensweise noch ein wenig klarer.

Im oberen Bereich der Rückenlehne verwendete ich dann die elastischen Gurte. So ist der Rücken später im unteren Bereich gut gestützt, während er im oberen Bereich gemütlich einsinken kann. Das Spannen der elastischen Gurte mit dem Gurtspanner ist nun auch etwas einfacher, weil Ihr nicht so viel Kraft aufwenden müsst.

In meinem Video könnt Ihr sehen, dass ich im ersten Schritt zu wenig von den elastischen Gurten angebracht habe. Dadurch, dass ich das Netzmaterial nicht hatte, fiel im nächsten Schritt der Schaumstoff teilweise durch und bildete so keine einheitliche Fläche. Deshalb musste ich dann noch einmal zum vorherigen Schritt zurückkehren und ein paar mehr Gurte anbringen. Am Ende habe ich aus den Gurten eine fast vollständig geschlossene Fläche erzeugt, in dem ich auch noch zusätzlich Gurte von oben nach unten spannte und mit den quersitzenden Gurten verwob.Selber Polstern Tutorial 122

 

Schaumstoff

Auf die geschlossene Fläche aus Gurten kam dann das Schaumstoffmaterial. Beim Entfernen des alten Schaumstoffes konnte ich sehen, dass dieser rundherum in einer Stufe geschnitten war. Das heißt, dass der Schaumstoff sehr dick war, an den Rändern jedoch ganz dünn zurückgeschnitten war. So lag der Schaumstoff nur dünn auf dem Rand des Rahmens auf.

Um diesen Stufenschnitt zu vermeiden, ging ich jetzt etwas anders vor. Zuerst legte ich eine dickere Schicht eines weichen Schaumstoffes, der sich gut für Rückenlehnen eignet, in den Rahmen ein. Dabei hatte ich die Größe so gewählt, dass er den Rahmen des Stuhles nicht überragte. D.h. ohne die Gurte als Unterkonstruktion wäre die Schaumstoffplatte einfach durchgefallen.Selber Polstern Tutorial 123 Direkt darüber legte ich dann Schaumstoff, der sehr viel dünner war (1cm). Diesen hatte ich größer zugeschnitten, so dass er komplett über die Auflagefläche des Rahmens ragte. Auf diese Weise hatte ich den gleichen Effekt: Der Schaumstoff, der auf dem Rand festgetackert wurde, war nur ganz dünn, während die Rücklehne an sich aber sehr gemütlich gepolstert war.Selber Polstern Tutorial 124

Jetzt musste das dünne Material also nur noch auf dem Rahmen festgetackert werden. Dabei war es nun ganz wichtig, den Schaustoff ganz unten nicht zu fixieren! Die Vorderseite der Rückenlehne musste unten komplett offen bleiben, damit ich später beim Polstern der Sitzfläche keine Probleme bekam. Ihr seht später noch einmal genau, was ich meine.

Polstervlies

Wie bei allen Polsterobjekten gehörte nun auch bei meiner Rückenlehne Polstervlies zwischen den Schaumstoff und den Bezugstoff. Das formt das Schaumstoffpolster perfekt aus und bildet eine schützende Schicht zwischen Schaumstoff und Stoff. Beim Festtackern des Polstervlieses ist es wichtig, dass Ihr es immer schön strammzieht. Denn nur so, kann es den Schaumstoff schön in Form bringen. Ziel ist es immer, nach der Schicht Polstervlies schon ein perfekt geformtes Polster zu haben, so dass der Bezugstoff gar nichts mehr machen muss, außer sich darauf anzuschmiegen.Selber Polstern Tutorial 125

Ich bin dafür so vorgegangen, dass ich das Polstervlies erst einmal nur ganz grob zugeschnitten habe und dann rundherum grob fixiert habe. Die Ausnahme hier wieder: Unten habe ich den Material nicht fixiert, sondern nur nach hinten durchgesteckt!

Anschließend, also als sich das Polstervlies nicht mehr verschieben konnte, habe ich es dann ganz eng, mit einer Tackerklammer direkt neben der nächsten, fixiert. Denn so schafft Ihr es, alle Wellen, die sich beim Strammziehen bilden, auszugleichen. Wenn das Polster perfekt aussieht und sich keine Wellen mehr bilden, dann könnt Ihr das überschüssige Material ganz knappkantig hinter den Tackerklammern abschneiden.

Bezugstoff

Im nächsten Schritt wurde es dann spannend. Denn nun war der Bezugstoff an der Reihe. Den habe ich mir auch zunächst nur grob zugeschnitten, auf meinem Polster ausgerichtet und dann mit Polsternadeln fixiert. Anschließend habe ich die Ränder des Stoffes eingeschlagen und dann so knapp wie möglich am Rand des Rahmens fixiert. Selber Polstern Tutorial 126Wie Ihr bei einer Rückenlehne genau vorgeht, habe ich in meinem vorangegangenen Artikel schon sehr genau beschrieben. Wenn Ihr Lust habt dann schaut also einmal vorbei unter Mein großes Polster-Tutorial Teil 3 – Ein Stuhl mit Rückenlehne.

Der einzige Unterschied zu meiner letzten Rückenlehne war nun, dass ich den Stoff unten wieder nicht festtackern konnte. Aus diesen Grund fixierte ich zuerst den höchsten Punkt der Rückenlehne und arbeitet mich dann langsam über die Seiten nach unten. Dabei immer darauf achtend, dass ich den Stoff nicht verziehe.

Trotz der Störrigkeit meines Outdoor-Stoffes habe ich ihn am Ende recht gut auf der Rückenlehne fixiert bekommen. An der ein oder anderen Stelle war noch eine kleine Welle oder Falte zu sehen, aber insgesamt ging das dann doch besser als gedacht…Selber Polstern Tutorial 127

 

Verzierung

Nun war es Zeit für einen hübschen Abschluss. Bei meiner vorherigen Rückenlehne hatte ich eine Gimpe verwendet, die die Tackerklammern wirklich perfekt kaschiert hat. Fixiert wurde diese Gimpe mit Heißkleber und genau das war der Grund, warum eine Gimpe für mich dieses Mal keine Möglichkeit war. Denn im Außenbereich ist einfach die Gefahr zu groß, dass der Kleber so warm wird, dass er wieder weich wird…

Also musste ich hier dieses Mal auf eine andere Möglichkeit ausweichen, die ich selbst so auch noch nicht ausprobiert hatte. Ich verwendete Zierleisten, genau solche, wie die, die bei der alten Polsterung eingesetzt worden waren. Meine Zierleisten sind schwarz und auch hier werden Nagelköpfe simuliert. Hinter jedem vierten dieser Fake-Nagelköpfe ist ein Loch, durch das ein echter Nagel gesteckt und eingeschlagen wird.Selber Polstern Tutorial 128 Das hat den riesigen Vorteil, dass man kein großer Profi im Nägel-Einschlagen sein muss. Das Metall der Leiste ist biegbar und lässt sich wunderbar an die Kante des Polsters anlegen. Geführt durch das Loch der Leiste, ist es dann nicht ganz so schwer, die Nägel einzuschlagen.Selber Polstern Tutorial 129 Am Ende sieht es dann fast so aus, als handle es sich um einzelne Nägel, die perfekt wie an einer Schnur aufgereiht, um das Polster sitzen. Um die Lackierung der Leiste zu schonen, verwendete ich einen Schmuckhammer. Der ist ähnlich wie ein Gummihammer weicher als ein normaler Hammer und macht deshalb keine Macken in die Oberfläche.

Natürlich saß auch bei mir nicht jeder der Nägel sofort perfekt und hin und wieder musste ich einen krumm geschlagenen Nagel wieder entfernen. Insgesamt ging das dann aber doch besser als gedacht und als die Rückenlehne fertig war, war ich mächtig stolz. Auch hier konnte man die Tackerklammern nicht mehr sehen und der Abschluss sah für mich perfekt aus. 🙂Selber Polstern Tutorial 51

Das Sitzpolster

Schaumstoffecken

Bei dem alten Sitzpolster schützten Schaumstoffecken das Holz vor den Wellenfedern. Also tackerte auch ich nun zunächst kleinere Schaumstoffstücke an den Ecken des Rahmens fest.Selber Polstern Tutorial 130

Federleinen

Dann war wieder das obligatorische Federleinen dran, das immer über den Federn sitzt, um das Polsterinnere vor deren Reibung zu schützen. Das tackerte ich nun rundherum oben auf dem Rahmen fest. Im hinteren Bereich der Sitzfläche hatte ich nun aber gar keine Auflagefläche, da dort die schon neu gepolsterte Rückenlehne im Weg war. Jetzt könnt Ihr sehen, warum es so wichtig war, im unteren Teil der Rückenpolsterung noch nichts festzutackern. Denn jetzt musste ich das Federleinen unten durch die Rückenlehne hindurchstecken und dann von hinten festtackern.Selber Polstern Tutorial 131

Schaumstoffpolster

Das alte Sitzpolster hatte eine sehr dicke und eine sehr feste Schaumstoffpolsterung. Ich hatte mir leider keinen solch festen und dicken Schaumstoff bestellt. Zudem war der alte Schaumstoff noch total in Ordnung. Keine Flecken, keine Abnutzung. Also entschied ich mich dazu, das alte Polster einfach wieder zu verwenden. Das sparte mir auch noch die Arbeit, das neue Polster zuzuschneiden. Nun konnte ich das perfekt passende Polster einfach wieder einsetzen und fertig.Selber Polstern Tutorial 132

Wäre das alte Polster nicht so gut erhalten gewesen, dann hätte ich es natürlich ausgetauscht. Entweder hätte ich mir Schaumstoff in dicker Sitzpolsterqualität nachbestellt. Oder ich hätte mir mit zusätzlicher Polsterwatte beholfen, die ich schon da hatte. In beiden Fällen hätte ich das alte Schaumstoffpolster dann als Schablone verwendet.

Polstervlies

Wie immer erfolgt auch hier nach dem Schaumstoff der Bezug mit Polstervlies. In diesem Fall zog ich das Vlies nun komplett um das Polster herum und tackerte es am Rand des Rahmens fest. In den vier Ecken, in denen jeweils die Armlehnen und die Rückenlehne auf den unteren Rahmen trafen, schnitt ich das Vlies ein wenig ein und zog es dann eng am Holz herunter.Selber Polstern Tutorial 133 Hinten an der Rückenlehne musste ich dann auch hier wieder das Material erst durch die Rückenlehne hindurchstecken und dann von hinten tackern. Zuletzt ging ich dann mit dem Tacker noch einmal komplett um das Polster rum und setzte die Klammern ganz eng, so dass sich am Ende keine Wellen mehr bildeten.

Bezugstoff

Dann war es auch schon Zeit für den Bezugstoff. Den hatte ich mir erstmal wieder nur grob zugeschnitten. Ich richtete ihn auf dem Polster aus, steckte ihn mit Polsternadeln fest und schlug dann jeweils ein kleines Stück Stoff ein. So konnte ich ihn dann ganz eng an der Kante mit dem Tacker fixieren.Selber Polstern Tutorial 134

Normalerweise sollte das kein Problem sein und auch nicht schwieriger als das Anbringen des Stoffs auf meinen Polstern zuvor. So dachte ich zumindest. Aber ich musste feststellen, dass das Ganze am Ende ganz und gar nicht so leicht war. Denn der ziemlich störrische und leicht glänzende Stoff, bei dem man jede Falte und jede Welle ziemlich deutlich sehen kann, wollte sich einfach nicht glatt um die Ecken legen!

An allen vier Ecken des Polsters waren Aussparungen notwendig, weil dort entweder die Verstrebungen der Rückenlehne oder die der Armlehnen im Weg waren. Dort musste der Stoff also ein wenig ausgeschnitten werden, dann eingeschlagen und nah am Holz herunter zum Rahmen geführt werden, wo er dann fixiert wurde. Was sich so einfach anhört, war aber leider etwas, was bei mir in einem Nervenkrieg endete. 🙁

Nicht so einfach wie gedacht…

Nicht nur, dass der Stoff einfach echt schwierig zu formen war, die Höhe des Polsters erschwerte mir das Arbeiten noch zusätzlich. Denn dadurch war nicht einfach nur eine Ecke, sondern eine hohe Wölbung mit dem Stoff einzuschlagen. So saß ich nun – ungelogen – mehrere Stunden an der Befestigung des Stoffes auf dem Sitzpolster! Ich weiß nicht wie oft ich an dem Stoff gerupft und gezupft habe, wie oft ich Klammern wieder herausgeholt habe, wie ich geflucht und geschwitzt habe. Egal, wie ich den Stoff zog und schob und einschlug, er wollte sich einfach nicht so hinlegen, wie ich es mit gewünscht hätte. Am Ende bin ich irgendwie fertig geworden, doch wenn man genau hinschaut, dann ist das Ergebnis alles andere als perfekt. Da ich an den Ecken irgendwie immer zu viel Stoff hatte, musste ich ihn gleichmäßig über die Seiten verteilen, wodurch sich natürlich Falten bildeten…Selber Polstern Tutorial 54

Woran es gelegen hat? Das kann ich Euch noch nicht einmal so hundertprozentig sagen. Ich glaube, dass es am Ende wirklich der Stoff war, der mir das Leben so schwer gemacht hat. Hätte ich einen leicht dehnbaren, geschmeidigen und vielleicht sogar gemusterten oder zumindest matten Stoff genommen, dann hätte ich wahrscheinlich nicht ganz so große Schwierigkeiten bei den Ecken gehabt. Und selbst wenn es hier und da eine Welle gegeben hätte, dann hätte man sie auf dem Stoff nicht sofort gesehen….

Wie auch immer. Als ich den Stoff endlich auf der Sitzfläche hatte, habe ich drei Kreuze gemacht. Welchen Rat ich Euch nun geben kann? Sucht Euch für ein solches Objekt auf jeden Fall einen Stoff aus, der geschmeidig ist und bringt viel Geduld mit!

 

Verzierungen

Zum Abschluss waren auch jetzt wieder die Zierleisten dran. Diese nagelte ich rundherum fest, was dann nicht mehr so schwierig war. Selber Polstern Tutorial 55Jetzt ergab sich allerdings zum ersten Mal die Situation, dass die Zierleiste nicht bis zum Ende einer Strecke reichte. Das passiert immer dann, wenn die Leiste nicht mit einem Loch endet, durch das wieder ein Nagel geschlagen werden kann. Im schlimmsten Fall habt Ihr am Ende Platz für noch vier Nägel, für den fünften echten Nagel ist aber kein Platz mehr. Da Ihr die Leiste aber auch nicht einfach am Ende unbefestigt lassen könnt, müsst Ihr sie nach dem letzten echten Nagel abknipsen und mit einzelnen echten Nägeln weitermachen. Da sind dann Eure Hammer-Skills gefragt. 😉Selber Polstern Tutorial 135

 

Spannvlies

Als letzte Aufgabe für das Sitzpolster stand noch neues Spannvlies auf dem Plan. Das ist ein spezielles Gewebe, das von unten an Sitzmöbel angebracht wird um das Polsterinnere zu verblenden. Da mein Sessel zukünftig auf der Terrasse stehen sollte, wollte ich diesen Schritt auf keinen Fall auslassen. Denn so ein Spannvlies kann auch verhindern, dass es sich Insekten unter meinem Sessel bequem machen. 😉Selber Polstern Tutorial 136Das Material lässt sich ganz einfach zuschneiden und dann mit dem Tacker fixieren. Nun war das Sitzpolster also endgültig fertig und es konnte mit der Rückseite der Rückenlehne weitergehen.

 

Die Rückseite der Rückenlehne

Zunächst einmal tackerte ich nun die noch losen Teile aus der Polsterung der Rückenlehnen-Vorderseite fest. Denn nachdem das Sitzpolster fertig war, konnten jetzt auch das Polstervlies, der Schaumstoff und vor allen Dingen der Bezugstoff der Vorderseite stramm nach unten und nach hinten gezogen und dann fixiert werden.

Danach ging ich dann genauso vor, wie bei der Vorderseite der Rückenlehne. Die einzigen Unterschiede waren, dass ich nun nur noch elastische Gurte verwendete und davon nicht mehr ganz so viele. Außerdem verwendete ich jetzt nur noch eine Lage dünnen Schaumstoff. Selber Polstern Tutorial 57Schließlich braucht so ein Sessel von hinten keine gemütliche Polsterung. Am Ende wurden die Tackerklammer wieder mit Zierleisten verblendet und dann war die Rückenlehne endgültig fertig.

 

Die Armlehnen

Schaumstoff und Polstervlies

Als erstes brachte ich den Schaumstoff auf den Armlehnen an. Da der Schaumstoff nicht nur oben aufliegt, sondern jeweils um die beiden Seiten der Armlehne geschlagen wird, war es nicht so einfach, die Form vorher zu bestimmen. Also schnitt ich mir den Schaumstoff nur grob zu, tackerte ihn fest und schnitt anschließen die überstehenden Teile mit einem Cutter ab.Selber Polstern Tutorial 60
Anschließend machte ich das gleiche mit dem obligatorischen Polstervlies. Mit ihm formte ich den Schaumstoff wieder gut aus, zog es stramm, tackerte es fest und schnitt dann auch hier die überstehenden Teile ab.Selber Polstern Tutorial 61

Bezugstoff

Dann war es auch schon Zeit für den Bezugstoff. Ich muss zugeben, vor dem habe ich mich nun etwas gefürchtet. Nachdem die Sitzfläche so ein Kampf war, hatte ich de Befürchtung, dass auch die Armlehnen nicht so einfach werden würden. Denn sie sind leicht geschwungen, d.h. sie bilden einen leichten Bogen. Dazu muss der Stoff auf beiden Seiten noch ein Stück heruntergezogen werden so dass sich wieder mehrere Ecken bilden.

Am Ende war dann aber doch alles nicht so schwer wie gedacht. Ich tackerte den Stoff zuerst in der Mitte auf beiden Seiten fest und arbeitete mich dann mit dem Tacker von dort aus nach links außen und dann nach rechts außen. Selber Polstern Tutorial 63Nachdem der Stoff in der Mitte dann fest anlag, stand nur noch der Stoff zu den Seiten über, wo die Ecken eingeschlagen werden mussten. Mit ein bisschen Gefummel konnte ich die Ecken aber jeweils ganz gut falten und festtackern. Selber Polstern Tutorial 137Wenn Ihr das einmal genau sehen, wollt, dann schaut unbedingt bei meinem Video unten vorbei! Denn zeige ich Euch diesen Schritt ganz genau!

Verzierung

Und nachdem auch hier der Stoff angebracht war, fehlten dann nur noch die Zierleisten. Hier waren nun ein paar mehr einzelne Nägel notwendig als bei den anderen Polstern. Denn hier waren die einzelnen zu verblendenden Strecken recht kurz, sodass die Zierleisten nicht immer passten.Selber Polstern Tutorial 64

Und dann war er fertig!! Nach unzähligen Stunden Arbeit war der Sessel bereit für seinen Einsatz auf meiner Terrasse. 🙂Selber Polstern Tutorial 66Selber Polstern Tutorial 69Selber Polstern Tutorial 68Selber Polstern Tutorial 67

Ihr habt gesehen, dass dieses Polsterprojekt nicht ganz so einfach war, wie die drei davor. Ich würde so ein Projekt nur dann noch einmal machen, wenn ich ein ganz altes Schätzchen hätte, dass ich auf jeden Fall behalten will. Und dann würde ich es nur noch mit einem Stoff machen, der einfach zu handhaben ist.

Was ich Euch nun raten würde? Überlegt Euch einfach, wie viel Arbeit Ihr in Euren Sessel investieren wollt und ob sie sich für Euch lohnt. Jetzt wisst Ihr, was ja auf Euch zukommen könnte. Wollt Ihr eine große Herausforderung und seid bereit, eine Menge Zeit aufzuwenden? Dann los! Ansonsten bringt Ihr das gute Stück vielleicht doch zu einem Polsterer?

Ihr wollt alles noch einmal in bewegten Bildern sehen? Gerne, dann schaut Euch doch noch einmal das folgende Video an:

Nun seid Ihr am Ende meiner großen Polster-Reihe angekommen. Ich hoffe ich konnte Euch zeigen, dass es gar nicht so schwer ist, kleine Polsterprojekte selbst in die Hand zu nehmen. Auch wenn ein Polster-Profi vielleicht nicht alles genauso gemacht hätte wie ich, denke ich, dass meine vier Polstermöbel am Ende ganz gut gelungen sind. 🙂

Ich hoffe vor allen Dingen, dass ich Euch ein wenig inspirieren konnte, dass ich Euch die ein oder andere Fragen zum Polstern beantworten konnte und, dass Ihr nun voller Tatendrang seid, Euer erstes Polsterprojekt anzugehen! Vielleicht sogar einen Sessel? Traut Euch einfach, Ihr bekommt das auf jeden Fall hin! 🙂

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